Online Philosophie

Philosophiegeschichte zum Herunterladen

Aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach den Manuskripten der Online-Kurse von Dr. Michael Conradt ist mit “Online Philosophie” nun die Möglichkeit entstanden, die Texte gegen eine kleine Gebühr als PDF herunterzuladen. Die Texte umfassen ca. 10-12 Seiten. Sie legen in gut verständlicher Weise die philosophischen Grundlagen des Themas dar und zeigen aktuelle Aspekte auf. Wählen Sie hier aus dem Programm:

Philosophie-Geschichte zum Hören

Bayern 2 radioWissen sendet in regelmäßigen Abständen Rundfunkbeiträge von Michael Conradt. Die Podcasts dazu können Sie sich hier kostenlos herunterladen. Viel Freude beim Hören!

Von 2003 bis 2014 und von München bis zu den Alpen hat Michael Conradt insgesamt 460 philosophische Veranstaltungen angeboten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die philosophische Tradition kennen lernen und selber philosophieren konnten. Eingeladen waren alle, die sich für Philosophie interessieren. Vorkenntnisse waren nicht erforderlich.

Seit 2010 wurden mit dem “Zentrum Philosophie” zusätzlich Online-Kurse angeboten. Wegen des Todes von Dr. Michael Conradt mussten die Online-Kurse eingestellt und das Zentrum Philosophie 2015 geschlossen werden. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben!

Dr. Michael Conradt beim philosophiegeschichtlichen Vortrag im Inselhaus Wolfratshausen
Dr. Michael Conradt (1949 – 2015)

Leseprobe: Gerechtigkeit

Kaum etwas empört die Menschen so sehr wie Ungerechtigkeit. Aber darüber, was konkret gerecht oder ungerecht ist, gehen die Meinungen oft weit auseinander. Deshalb bemühen sich Philosophen seit mehr als 2000 Jahren, objektiv herauszufinden, was Gerechtigkeit eigentlich ist und wie man sie herstellen kann. Wir beleuchten wesentliche Stationen dieses Denkwegs: von der Gerechtigkeit als Tugend bei Platon und Aristoteles über Rousseaus Gesellschaftsvertrag bis zur Verfahrensgerechtigkeit bei John Rawls und Jürgen Habermas. Braucht Gerechtigkeit einen moralischen Überbau, oder reichen faire Regeln?

1. Hinführung: Das Ultimatum-Spiel
Wir beginnen heute mit einem kleinen Spiel:
 Stellen Sie sich folgende Situation vor: ein Spiel mit zwei Teilnehmern; einer davon sind Sie. Ihr
 Mitspieler erhält 1.000.- Euro, mit der Maßgabe, Ihnen einen Teil davon abzugeben. Wie viel, kann
 er selber bestimmen. Allerdings gibt es eine Bedingung: Sie müssen der Aufteilung zustimmen. Nur 
dann darf jeder seinen Anteil behalten. Wenn Sie nein sagen, bekommt keiner etwas.

Angenommen, Ihr Mitspieler bietet Ihnen 500.- Euro, also genau die Hälfte. Nehmen Sie an?
 Vermutlich ja.

Angenommen, er bietet Ihnen 50.- Euro. Wie entscheiden Sie dann? – Schon schwieriger. – Wenn
 Sie nein sagen, bekommen Sie gar nichts. Der andere allerdings auch nicht. Wenn Sie ja sagen, 
haben Sie immerhin 50.- Euro, der andere allerdings 950.-. Stimmen Sie zu?

Sehr wahrscheinlich werden Sie nein sagen. Dies behauptet zumindest die so genannte Spieltheorie. Die Spieltheorie ist eine Teildisziplin der Mathematik, die das Entscheidungsverhalten von Menschen in bestimmten Situationen erforscht. Das Spiel, das wir gerade gespielt haben, gehört zu ihren Versuchsanordnungen. Es heißt das Ultimatum-Spiel.

Bei Experimenten mit dem Ultimatum-Spiel zeigte sich, dass die Mehrzahl der Teilnehmer Angebote von weniger als 30 Prozent ablehnte. In unserem Beispiel wären dies also Angebote von weniger als 300.- Euro. Das heißt, Sie hätten, sofern Sie dem statistischen Durchschnitt entsprechen, in unserem Ultimatum-Spiel auf bis zu 300.- Euro verzichtet. Warum? Vermutlich,
weil sonst Ihr Sinn für Gerechtigkeit verletzt worden wäre.

Das Ultimatum-Spiel zeigt somit, wie wichtig uns Gerechtigkeit ist. Unser Gerechtigkeitssinn ist offenbar so stark, dass wir sogar bereit sind, materielle Nachteile in Kauf zu nehmen. In welchem Umfang, ist sicherlich individuell verschieden und hängt auch von der persönlichen Lebenssituation ab. Wenn gerade ein dringender finanzieller Engpass besteht, lassen wir uns möglicherweise eher auf Kompromisse ein. Aber im Grunde ist wohl jeder bereit, sich Gerechtigkeit etwas kosten zu lassen. Und umgekehrt empört kaum etwas die Menschen so sehr wie Ungerechtigkeit, natürlich vor allem, wenn sie uns selber widerfährt, aber auch, wenn “nur“ andere betroffen sind…

(Zum vollständigen Text über Gerechtigkeit)